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Geburtshilfe lohnt sich nicht mehr

Hebammen werden extrem schlecht bezahlt. In Deutschland gibt es generell zu wenig Wertschätzung für Kinder, Mütter und die, die sich um sie kümmern

DerDeutsche Hebammenverband (DHV) hat einen durchschnittlichen Stundenlohn von 8,50 Euro für Hebammen errechnet. Mit diesem Lohn bewegen sie sich abzüglich Kosten, Sozialversicherung und Steuern fast im ehrenamtlichen Bereich. Und das hat Folgen: In Deutschland arbeiten 60 Prozent aller Hebammen freiberuflich. Seit 2009 haben gut 25 Prozent von ihnen die Geburtshilfe aufgegeben, weil sie die Kosten nicht mehr tragen können. 

Die schlechte Bezahlung ist auch deshalb unverständlich, weil der Beruf höchst anspruchsvoll ist. Der Hebamme wird ein Mensch im Ausnahmezustand anvertraut. Von ihrem Geschick hängt nicht selten ab, wie ein Säugling seine ersten Lebensmomente verbringt.

und mehr hier: 

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-10/hebammen-geburtshilfe-politik

  Ausschnitt von http://www.change.org/de/Petitionen/menschenw%C3%BCrde-ist-kein-ehrenamt-hebammen-brauchen-h%C3%B6here-verg%C3%BCtungen#share

Menschenwürde ist kein Ehrenamt – Hebammen brauchen höhere Vergütungen

 

„Geburt ist keine Krankheit“, empfahl die Weltgesundheitsorganisation 1985. Fast dreißig Jahre später in Deutschland: Geburten werden zunehmend nicht nur als Krankheiten, sondern als Notfälle behandelt. Wenn sich an der Vergütung für Hebammen in nächster Zukunft nichts ändert, werden Frauen in der Schwangerschaft und während der Geburt bald nicht mehr von Hebammen, sondern von High Tech und Wirtschaft begleitet. Im Wochenbett und in der Stillzeit blieben sie gleich ganz allein.

 

Was würde das bedeuten?

 

Eine Geburt würde nicht mehr so lange dauern dürfen, wie sie naturgemäß dauert. Denn Zeit ist Geld.

 

Eine Hebamme betreut eine Frau: Undenkbar. Personal ist auch Geld. Schon jetzt sind 1:1-Betreuungen in Kliniken selten.

 

Natürliche Geburten fänden überhaupt nicht mehr statt. Es sei denn, die Frau bekommt ihr Kind allein.

 

Ohne außerklinische Geburtshilfe könnten Schwangere nicht wählen, wo sie entbinden wollen. Die Wahlmöglichkeit wird heute schon nicht mehr flächendeckend gewährleistet. Dabei gesteht der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Frauen ein Recht auf Wahlfreiheit zu.

 

Die Zahl der Geburten im PKW oder auf dem Rastplatz nähmen zu, weil die Wege zur nächsten Klinik zu weit sind.

 

Um gebären zu können, schüttet die Frau Oxytocin und Endorphine aus. Das geschieht nur, wenn die Frau sich ruhig und sicher fühlt. Dauerüberwachung, wechselndes Personal und Apparatemedizin geben nicht jeder Frau das Gefühl, daß alles in Ordnung ist. Der gestreßte Körper schüttet nicht Oxytocin und Endorphine, sondern Adrenalin aus. Adrenalin fördert die Geburt nicht, sondern hemmt sie. In der Folge werden häufig Interventionen bis hin zu Notkaiserschnitten notwendig. Keine Hebammen – mehr Interventionen, mehr Notkaiserschnitte, mehrWochenbettdepressionen.

 

Die Frau hat Angst vor der Geburt? Ihr Kind trinkt nicht? Sie hat eine verhärtete Brust? Sie weiß nicht, was sie tun kann, wenn ihr Kind schreit? Sie traut sich nicht, ihr Neugeborenes zu baden? Sie denkt, sie hat zu wenig Milch? Sie weiß nicht, was im Wochenbett mit ihr los ist? Sie braucht soziale Hilfe? – Mit diesen Fragen bleibt sie allein

 

 

Hebammen haben nicht nur das Können, sondern auch die gesetzliche Befugnis, physiologische Geburten eigenständig zu leiten. Ihre Arbeit umfaßt die gesamte Lebensphase von der Familienplanung bis zum Ende der Stillzeit. Fehlende oder falsche Informationen über physiologische Geburtsverläufe führen in einer Gesellschaft, die Sicherheit für ein erreichbares Ziel hält, zu einem marktfähigen Zustand: Unsicherheit. Hebammen betonen die Kehrseite der Angst: das Vertrauen in die potenzielle Eigenständigkeit des Einzelnen und die Elemente des Lebens.

Der Deutsche Hebammenverband (DHV) hat für alle Hebammen einen durchschnittlichen Stundensatz von 7,50 Euro ermittelt. Damit bewegen sie sich abzüglich Kosten, Sozialversicherungen und Steuern fast schon im Bereich des Ehrenamtes. Weil sie die hohen Kosten nicht mehr tragen können, haben seit 2009 über 25% aller freiberuflichen Hebammen die Geburtshilfe aufgegeben. In einigen Regionen kann deshalb keine außerklinische Geburtshilfe mehr angeboten werden. Für die Frauen bedeutet das: Sie haben keine Wahl. Auch in Kliniken werden Hebammenstellen gestrichen, um Personal einzusparen. Die Frauen müssen damit rechnen, während der Geburt allein gelassen zu werden, weil die Hebammen mehrere Gebärende gleichzeitig betreuen. Und Beleghebammen, die Frauen in 1:1-Betreuung in die Klinik begleiten könnten, sind nur noch schwer zu finden. Grund: Ihr Hauptaufgabenfeld ist finanziell unrentabel.

 

Fehlende Hebammenhilfe während der Geburt ist gesetzwidrig, fehlende Wahlfreiheit menschenrechtswidrig.

 

Zum 1. Juli 2013 ist die Prämie für die berufliche Haftpflichtversicherung der Mitglieder des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) um 10% gestiegen und beträgt nun 4.480 Euro. Zum 1. Juli 2014 müssen auch die rund 18.000 Hebammen des DHV mit einer Steigerung im zweistelligen Prozentbereich rechnen. „Wir beobachten, daß immer mehr Kolleginnen die Geburtshilfe aufgeben“, sagt Katharina Jeschke vom DHV. Sie schätzt, daß allein2013 5 bis 10% der freiberuflichen Hebammen aus der Geburtshilfe aussteigen werden.

 

 

Wir fordern Sie deshalb auf, jetzt zu handeln:

 

Im Jahr 2007 haben Bundesgesundheitsministerium und Hebammenverbände eine   dreistufige Vergütungserhöhung von insgesamt 18,9% vereinbart. De facto ist nur die erste Stufe in Höhe von 6,5% ausgezahlt worden. 12,4% wurden nicht realisiert. Wir fordern Sie auf, die den Hebammen zustehende Erhöhung auszuzahlen. 


Entsprechend § 134a SGB V fordern wir, höhere Vergütungen für Hebammenmit den Hebammenverbänden zu vereinbaren, die die stark gestiegenen berufsbedingten Kosten und die hohe Verantwortung, die Hebammen tragen, berücksichtigen.

 

Krankenkassen erwirtschaften mit Versicherungsbeiträgen finanzielle Polster in Milliardenhöhe. Dieses Geld steht ihnen per definitionem nicht zu. D.h., es sind finanzielle Mittel für die Vergütung von Hebammenleistungen vorhanden. Wir fordern Sie auf, das Geld in eine von Hebammen geführte Geburtshilfe zu investieren. Wir fordern außerdem die Bundesregierung dazu auf, eine gesetzliche Grundlage zur Stabilisierung des Hebammenwesens und Korrigierbarkeit der Krankenkassen zu schaffen.

 

Wir fordern den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen dazu auf, die zusätzlich anfallenden Kosten sofort auszugleichen.

 

 

Weiterführende Links:

 

Radioessay: Warum diese Gesellschaft Hebammen brauchthttp://detektor.fm/kultur/freistunde-wie-wollen-sie-leben-ein-essay/

Hebammen für Deutschland – Eine Initiative zum Erhalt individueller Geburtshilfewww.hebammenfuerdeutschland.de

Deutscher Hebammenverband www.hebammenverband.de

Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands www.bfhd.de

Deutscher Fachverband für Hausgeburtshilfe www.dfh-hebammen.de

Netzwerk der Geburtshäuser www.geburtshaus.de

Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe www.quag.de

Jüngste Studie zu Haus- und Klinikgeburten: www.bmj.com/content/346/bmj.f3263

Ärzteblatt: Geplante Hausgeburt so sicher wie Entbindung in der Klinikwww.aerzteblatt.de/nachrichten/37926/Geplante-Hausgeburt-so-sicher-wie-Entbindung-in-der-Klinik

One World Birth (Film „Freedom for Birth“) www.onewordbirth.net

Free Agnes Gereb www.freeagnesgereb.com

Ina May Gaskin, Hebamme, Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2011www.inamay.com

 

Petition einzusehen auf http://www.change.org/de/Petitionen/menschenw%C3%BCrde-ist-kein-ehrenamt-hebammen-brauchen-h%C3%B6here-verg%C3%BCtungen#share